2 Grundlagen
Die Darstellung des Spektrums ist ein grundlegendes Hilfsmittel zur Beschreibung analoger
und digitaler Signale. Es zeigt die frequenzmaige oder spektrale Zusammensetzung
eines Signals.
Im Gegensatz zum ursprunglichen Zeit- oder Originalbereich ist das Spektrum eine Signaldarstellung
im Frequenz- oder Bildbereich. Diese beiden Darstellungsformen sind
durch eine umkehrbar eindeutige Abbildung ineinander uberfuhrbar.
Diese Umkehrbarkeit bedeutet, dass sich durch diese so genannte
"
Transformation in den
Frequenzbereich\ der Informationsgehalt eines Signals nicht andert. Das Signal wird nur
anders dargestellt. Grundsatzlich gibt es verschiedene solcher Transformationen. Dieser
Versuch behandelt die Fourier Transformation, die eine der wichtigsten Transformationen
der Elektrotechnik darstellt. Wie bereits erwahnt werden die Transformationen stets an
Signalen durchgefuhrt. Daher werden wir uns zunachst mit einigen Signaleigenschaften
und Moglichkeiten zur Klassizierung beschaftigen bevor wir uns die Transformation an
sich genauer ansehen.
2.1 Signaleigenschaften und Signalklassikation
Es ist naheliegend, dass sich Signale anhand ihres Zeitverlaufs unterscheiden konnen.
Daher betrachten wir zunachst die Unterteilung anhand des Zeitverlaufs. Abbildung 1
stellt eine Ubersicht uber die in diesem Praktikum gemachten Unterscheidungen dar.
Signal
deterministisch stochastisch
periodisch nicht periodisch
harmonisch
Abbildung 1: Unterteilung der Signale anhand des Zeitverlaufs.
2.1.1 Deterministische Signale
Wir konnen deterministische Signale und Ereignisse fur alle Zeiten (Vergangenheit, Gegenwart,
Zukunft) durch analytische Ausdrucke wie zum Beispiel eine mathematische
Formel beschreiben. Sie sind damit auch fur beliebige Zeiten voraussagbar und konnen
beliebig oft identisch reproduziert werden.
Abbildung 2a zeigt den Signalverlauf eines deterministischen Signals. Fur 0:6 s < t < 1:4 s
ist x1(t) = 1V sonst 0 V. Damit ist das Signal x1(t) fur alle Zeitpunkte t festgelegt. Eine
solche Beschreibung von x1(t) nennt man eine Darstellung im Zeitbereich, weil t die
unabhangige Variable ist.
Institut fur Mikroelektronik, Universitat Ulm 3
2.1 Signaleigenschaften und Signalklassikation 2 GRUNDLAGEN
Deterministische Signale und Ereignisse sind normalerweise leicht zu erzeugen, einfach zu
identizieren und problemlos zu messen. Daher werden sie haug in der Messtechnik und
in der Systemanalyse verwendet.
2.1.2 Stochastische Signale = Zufallssignale
Zufallige Signale (Zufallsvariable, Zufallsgroe, Rauschsignal) lassen sich als solche nicht
in geschlossener Form darstellen. Sie weisen einen nicht vorhersagbaren Verlauf auf. Dies
erschwert ihre Beschreibung.
Zufallssignale konnen einerseits Nutzsignale sein, deren Information in ihrem dem Empfanger
noch unbekannten Verlauf enthalten ist, sie konnen andererseits Storsignale sein, wie beispielsweise
das nicht determinierte Rauschen eines Widerstandes, eines Verstarkers oder
einer Antenne. Abbildung 2b zeigt ein Beispiel eines stochastischen Signals x2(t).
− 0 0.5 1 1.5 2 0.5
0
0.5
1
1.5
Zeit (s)
Amplitude (V)
(a) Beispiel deterministisches Signal x1(t).
− 0 0.5 1 1.5 2 0.5
0
0.5
1
1.5
Zeit (s)
Amplitude (V)
(b) Beispiel stochastisches Signal x2(t).
Abbildung 2: Veranschaulichung verschiedener Signaltypen.
2.1.3 Periodische Signale
Ein periodisches Signal x(t) verlauft mit der Zeit so, dass ein beliebig geformter Vorgang
sich endlos und vollstandig wiederholt. Die (Zeit-)Periode T gibt an wie viel Zeit ein
solcher Vorgang benotigt bis er von neuem beginnt. Damit ist jedes periodische Signal
deterministisch.
Denition: Periodizitatsbedingung
x(t) = x(t + kT) fur k 2 Z und T konstant, (1)
das heit, das Signal x(t) und das dagegen um die Zeitperiode T verschobene Signal
x(t + kT) sind deckungsgleich. Dies wird in Abbildung 3 am Beispiel des periodischen
Signals x3(t) verdeutlicht.
Der Reziprokwert der Zeitperiode T fuhrt auf die (Grund-) Frequenz fp, die angibt wie
oft sich der Vorgang pro Zeiteinheit wiederholt.
Denition: Frequenz
fp =
1
T
[Hz] (2)
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Jedes periodische Signal setzt sich aus endlich oder unendlich vielen sinus- bzw. consiusf
ormigen Teilsignalen zusammen. Diese Eigenschaft werden wir in Abschnitt 2.2.1
ausnutzen.
2.1.4 Nichtperiodische Signale
Nichtperiodische Signale sind alle deterministischen, zeitlich nicht begrenzten Signale,
die die Periodizitatsbedingung nicht erfullen. Zu den nichtperiodischen Signalen gehoren
beispielsweise abklingende Schwingungen oder die Sprungfunktion.
2.1.5 Harmonische Signale
Die harmonischen Signale sin(2ft) und cos(2ft) sind ein Spezialfall der periodischen
Signale. Sie stellen die Basissignale der Elektrotechnik dar und werden in vielfaltiger
Weise erzeugt und verwendet. In den meisten Fallen handelt es sich um Zeitsignale unterschiedlicher
Frequenz. Ihr Verlauf lasst sich gema (3a) darstellen. Hier wurde die
Darstellung mit Cosinus Funktion gewahlt. Die Sinus Darstellung ist jedoch aquivalent.
Darstellung harmonischer Signale mittels Cosinus Funktion
x(t) = ^x cos((t) + 0) (3a)
mit (t) = 2fpt =
2
T
t (3b)
und 0 = 2fpt =
2
T
t (3c)
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2.1 Signaleigenschaften und Signalklassikation 2 GRUNDLAGEN
x(t) steht dabei allgemein fur Signal. Es kann sich dabei um eine Spannung u(t), einen
Strom i(t) oder eine Leistung p(t) handeln. Die einzelnen zeitabhangigen Werte x(t)
heien Augenblickswerte oder Momentanwerte.
^x entspricht dem Maximalwert, den das Signal annehmen kann und wird als Scheitelwert
oder Amplitude bezeichnet.
Der Zusammenhang zwischen Periodendauer T und Frequenz f wurde bereit in (2)
eingefuhrt. In Abbildung 4 ist die Periodendauer exemplarisch eingezeichnet. Im Spezialfall
der harmonischen Signale entspricht die Periodendauer dem zeitlichen Abstand
zwischen zwei gleichen, einander nachstliegenden Funktionswerten gleicher Steigung der
Cosinus Kurve.
Die Frequenz entspricht dem Kehrwert der Periodendauer, d.h. der Anzahl der Perioden
pro Zeiteinheit. Sie kann damit durch einfaches
"
abzahlen\ der Nulldurchgange pro
Zeitintervall bestimmt werden. Das sogenannte Gleichsignal x(t) = const. als zeitlich konstantes
Signal ist ein Spezialfall des harmonischen Signals. Es besitzt die Periodendauer
unendlich beziehungsweise die Frequenz Null.
Der Nullphasenwinkel 0 legt den Anfangswert des Signals zum Zeitpunkt t = 0 fest.
Er wird in der Elektrotechnik normalerweise in Grad angegeben.
Nimmt man an, dass Abbildung 4 durch Verschiebung aus einer cos-Funktion nach rechts
entstanden ist, lasst sich der Nullphasenwinkel aus dem zeitlichen Abstand t des ersten
Maximums vom Koordinatenursprung gema (3c) ermitteln.
Der Nullphasenwinkel weist in diesem Fall ein negatives Vorzeichen auf (nacheilend gegen
uber dem urspruglichen Signal). Bei einer Verschiebung nach links ergibt sich ein
positiver Nullphasenwinkel (voreilend gegenuber dem ursprunglichen Signal).
− 0 0.5 1 1.5 2 1
−0.5
0
0.5
1
T
t
Zeit (s)
Amplitude (V)
Abbildung 4: Ausschnitt des harmonischen Signals x4(t).
Vom mathematischen Standpunkt aus betrachtet, besitzen harmonische Funktionen eine
Reihe uberaus nutzlicher Eigenschaften. Beispielsweise fuhren dierenzieren und integrieren
wieder zu harmonischen Signalen. Das heit die Signalform bleibt erhalten.
Daraus folgt, dass die Form eines harmonischen Signals beim Durchgang durch lineare
dynamische Systeme wie beispielsweise Hochpasslter erhalten bleibt. Diese Eigenschaft
wird in den Praktikumsversuchen 4 und 6 ausgenutzt werden.
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Zur Charakterisierung elektrischer Signale werden drei weitere Bezeichnungen eingefuhrt.
Diese sind in Abbildung 5 veranschaulicht.
0 0.5 1 1.5 2
-1
−ˆx
-0.5
0
¯x
0.5
1
ˆx
1.5
xeff
xSS
Zeit (s)
Amplitude (V)
Abbildung 5: Ausschnitt des harmonischen elektrischen Signals x5(t).
Der arithmetische Mittelwert x = xDC uber eine Periode bezeichnet man in der Elektrotechnik
als Gleichanteil oder DC-Anteil eines Signals. Die allgemeingultige mathematische
Beschreibung fur periodische Signale lasst sich wie folgt angeben:
x = xDC =
1
T
Z t0+T
t0
x(t)dt : (4)
Bei harmonischen Signalen entspricht der Gleichanteil der Hilfsnullinie, auf die sich die
Amplituden beziehen wie in Abbildung 5 dargestellt. In technischen Anwendungen z. B.
bei einem Funktionsgenerator nennt man den DC-Anteil auch
"
Oset\.
Der Spitze-Spitze Wert xSS, auch Peak to Peak Spannung genannt, gibt die Hohe der
Auslenkung vom niedrigsten Wert bis zum hochsten Wert eines periodischen Vorgangs an
und entspricht damit der Dierenz zwischen positivem und negativem Maximalausschlag.
Bei harmonischen Signalen entspricht der Spitze-Spitze Wert der doppelten Amplitude.
xSS = +^x (^x) (5)
Unter dem Eektivwert xe versteht man den quadratischen Mittelwert einer zeitlich
veranderlichen Groe. Er gibt den Wert einer Gleichgroe (Gleichstrom, Gleichspannung)
an, die an einem ohmschen Widerstand wahrend einer Periode dieselbe elektrische Energie
umsetzt, wie die entsprechende Wechselgroe. Mathematisch gesehen ist der Eektivwert
das Integral uber das Quadrat einer Spannung bzw. eines Stroms uber eine Periode und
wird wie folgt berechnet:
xe =
q
x2(t) =
s
1
T
Z t0+T
t0
x2(t)dt : (6)
Der Eektivwert wird auch RMS-Wert (root mean square) genannt. Bei harmonischen
Signalen ergibt er sich damit zu
xe =
1
p2
^x : (7)
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2.2 Transformation in den Frequenzbereich 2 GRUNDLAGEN
2.2 Transformation in den Frequenzbereich
Wie im vorherigen Abschnitt deutlich wurde, ist die Bestimmung der Frequenz fur harmonische
Signale trivial. Damit gestaltet sich auch die Transformation in den Frequenzbereich
als sehr einfach.
Wie sieht es nun jedoch bei komplizierteren Signalverlaufen aus? Ein einfaches Beispiel
ist dieser Ausschnitt aus einem Audiosignal, in Abbildung 6. Hier ist es nicht mehr ohne
weiteres moglich, die Frequenz durch einfaches Abzahlen der Nulldurchgange zu bestimmen.
0 5 10 15
−1
−0.5
0
0.5
1
Zeit (ms)
Amplitude (V)
Abbildung 6: Ausschnitt aus einem Audiosignal.
Das menschliche Gehor zeigt uns wie dieses Problem gelost werden kann. Ein Audiosignal
kommt am Ohr als Schallwelle an. Diese wird durch das Trommelfell an das Innenohr weitergeleitet
und erzeugt in der dortigen Flussigkeit eine Druckwelle. Durch die Druckwelle
werden, je nachdem welche Frequenzen im Audiosignal enthalten sind, unterschiedliche
Haarzellen in Resonanz versetzt. Da bestimmte Haarzellen mit bestimmten Nervenfasern
verbunden sind, bestimmt dies die Tonhohe. Dadurch wird das Audiosignal in seine unterschiedlichen
Frequenzanteile zerlegt und man kann horen ob es sich um einen hohen
oder einen tiefen Ton oder um ein Gemisch aus mehreren Tonen handelt.
Die Lautstarke ergibt sich aus der Starke des Schalldrucks und der davon abhangigen
Starke der Resonanz der Haarzellen. Statt einer Analyse im Zeitbereich wird das Signal
folglich in seine einzelnen Frequenzkomponenten zerlegt. Das eine komplizierte Problem
wird dadurch in viele einfach zu losende Probleme uberfuhrt. Die Uberlagerung der
Einzellosungen ergibt schlielich die Gesamtlosung.
2.2.1 Fourier Reihe
Um diese Zerlegung in die einzelnen Frequenzkomponenten zu verstehen, betrachten wir
zunachst den umgekehrten Weg. Dazu konstruieren wir ein periodisches Signal, welches
bestimmte Frequenzanteile einer festgelegten Starke enthalt.
Wie bereits in Abschnitt 2.1.3 erwahnt wurde, konnen periodische Zeitfunktionen x(t)
als Uberlagerung harmonischer Funktionen dargestellt werden. Damit lasst sich eine periodische
Funktion in eine Reihe entwickeln.
Mit (1) lasst sich das periodische Signal x(t) als endliche oder unendliche Reihe harmonischer
Funktionen darstellen, deren Frequenzen fk ganze Vielfache k der Frequenz f0 = 1
T
sind. Mathematisch lasst sich dieser Zusammenhang zwischen den einzelnen Frequenzen
wie folgt dargestellt:
fk = k f0 = k
1
T
: (8)
Der Ausdruck fur die eigentliche Reihendarstellung des periodischen Signals x(t) ist folgender:
x(t) =
1
2
A0 +
X1
k=1
Ak cos(2kf0 t + k) : (9)
Dabei ist 1
2A0 der Signalteil bei der Frequenz 0, Ak sind die Amplituden und k
die Phasenwinkel der k-ten harmonischen Funktion xk(t). Diese Darstellung heit
Fourier Reihe.
Man erhalt eine Darstellung im Frequenzbereich, indem man die Amplituden Ak uber
den Frequenzen k f0 auftragt. Die Frequenz dient folglich als unabhangige Variable.
Beispiel: Ziel ist es ein Signal mit Frequenzkomponenten bei f1 = 1 Hz, f2 = 5 Hz und
f3 = 10 Hz zu konstruieren, wobei alle 3 Komponenten
"
gleich stark\ enthalten sein
sollen, d.h. A1 = A2 = A3 = 1V. Abbildung 7a zeigt die Darstellung dieses Zielsignals im
Frequenzbereich. Mit (9) ergibt sich fur das gesuchte Signal x(t), wenn die Phasenwinkel
k zu Null angenommen werden:
x(t) = 1Vcos(2 1 Hz t) + 1Vcos(2 5 Hz t) + 1Vcos(2 10 Hz t) : (10)
Abbildung 7b zeigt die einzelnen Signalkomponenten im Zeitbereich, wahrend das Summensignal
x(t) in Abbildung 8 dargestellt ist.
Bei der Zerlegung eines periodischen Zeitsignals in seine Frequenzkomponenten wird genau
wie im vorherigen Beispiel einer Konstruktion eines solchen Signals die Tatsache
ausgenutzt, dass sich periodische Signale als Summe harmonischer Signale darstellen lassen.
Im Zeitbereich kann dies durch (9) beschrieben werden.
Im Frequenzbereich gilt ein ahnlicher Zusammenhang. Anschaulich kann dies folgenderma
en erklart werden. Der Ubergang vom Zeit in den Frequenzbereich ist eine lineare
Abbildung. Nach den Satzen der Mathematik bleibt damit eine Summe im Zeitbereich
auch im Frequenzbereich als Summe erhalten.
Da jedes einzelne harmonische Signal nur aus einer einzigen Frequenzkomponente besteht,
setzt sich das periodische Signal im Frequenzbereich aus der Summe der Frequenzen aller
harmonischen Signale zusammen. Aus (8) und (9) wird ersichtlich, dass ein periodisches
Signal nur Frequenzkomponenten enthalt, die vielfache der Grundfrequenz 1=T sind. Beim
Spektrum eines periodischen Signals handelt es sich also um ein diskretes Linienspektrum.
Institut fur Mikroelektronik, Universitat Ulm 9
2.2 Transformation in den Frequenzbereich 2 GRUNDLAGEN
0 5 10 15 20
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
Frequenz (Hz)
Amplitude (V)
(a) Zielsignal im Frequenzbereich.
0 0.5 1 1.5 2 −1
0
1
Zeit (s)
Amplitude (V)
0 0.5 1 1.5 2 −1
0
1
Zeit (s)
Amplitude (V)
0 0.5 1 1.5 2 −1
0
1
Zeit (s)
Amplitude (V)
(b) Einzelnen Signalkomponenten der
Reihendarstellung.
Abbildung 7: Beispiel zur Signalsynthese.
0 0.5 1 1.5 2 2.5 3
−3
−2
−1
0
1
2
3
Zeit (s)
Amplitude (V)
Abbildung 8: Zeitbereichsdarstellung des konstruierten Signals.
Institut fur Mikroelektronik, Universitat Ulm 10
Es geht nun darum das Summensignal zu zerlegen und herauszunden, welche Harmonische
wie stark enthalten ist. Dazu wahlen wir eine andere Darstellungsmoglichkeit fur
(9). Diese erhalt man mit Hilfe der Eulerschen Formel cos() = 1
2(ej + ej):
x(t) =
1
2
A0 +
1
2
X1
k=1
Ak
ej(2kf0t+k) + ej(2kf0t+k)
(11)
=
kX=1
1
1
2
Akej(2kf0t+k) (12)
=
X1
1
1
2
Akejkej2kf0t (13)
=
X1
1
Xkej2kf0t: (14)
Der Ausdruck aus (14) heit komplexe Fourier Reihe. Hier ist Xk ein komplexer Koe-
zient, der die Amplitude Ak
2 der k-ten Harmonischen und den zugehorigen Phasenwinkel
k in einer komplexen Zahl zusammenfasst. Die Gesamtheit der Xk fur k = 1::: +1 nennt man das zweiseitige Amplitudenspektrum X(f) der periodischen Zeitfunktion x(t).
Als Funktion der Frequenz ist es nur an den Stellen f = k f0 = k 1
T deniert. Bei der
Entwicklung einer periodischen Funktion in eine Fourier Reihe erhalt man, wie bereits
zuvor deutlich wurde, im Frequenzbereich eine Darstellung mit diskreten Werten.
Die Fourier Koezienten Xk erhalt man durch Umkehrung von (14). Dabei geht die
Summe aufgrund der kontinuierlichen Darstellung im Zeitbereich in ein Integral uber.
Entsprechend der Anweisung zur Erstellung einer Fourier Reihe ergeben sich die Fourier
Koezienten damit zu:
Xk(k f0) =
1
T
Z T=2
T=2
x(t)ej2kf0t dt: (15)
Wird die Berechnung des Spektrums digital per Software, mittels eines Spektrumanalysers
oder uber die in einem Oszilloskop implementieren Funktionen durchgefuhrt, stehen
zur Berechnung nur eine endliche Anzahl an Werten zur Verfugung. Das bedeutet, die
Bestimmung des Spektrums erfolgt in diskreter Form. Die verwendete Software bietet
fur die Transformation in den Frequenzbereich eine Routine an, die FFT (Fast Fourier
Transformation) genannt wird. Zur Transformation des Signals in den Frequenzbereich
wird also (15) gelost. Der umgekehrte Weg erfolgt uber die Berechnung von (14).
Damit konnen wir nun zu unserem ursprunglichen Problem zuruckkehren und das Audiosignal
in den Frequenzbereich transformieren um die darin enthaltenen Frequenzen zu
bestimmen. In diesem Praktikum uberlassen wir das Losen der beiden Gleichungen dem
Oszilloskop oder dem PC. Dazu nutzen wir MATLAB, ein machtiges Software Tool zur
Losung mathematischer Probleme und zur graschen Darstellung der Ergebnisse.
Eine gute Einfuhrung in die Syntax wird im MATLAB Primer der Universitat Aachen
gegeben. Dieser ist auf der Internetseite zum Praktikum bereitgestellt. Um das Praktikum
durchfuhren zu konnen empehlt es sich vor der Durchfuhrung des Versuchs mit den
wichtigsten Grundlagen vertraut zu machen.
Institut fur Mikroelektronik, Universitat Ulm 11
2.2 Transformation in den Frequenzbereich 2 GRUNDLAGEN
2.2.2 Logarithmische Groen
Die Spektren von Signalen werden haug nicht in einer absoluten Angabe der Spannung
oder Leistung dargestellt sondern als logarithmische Groe in Dezibel (dB). Die Angabe
in Dezibel hat den Vorteil, dass in einfacher Weise ein Signal uber mehrere Dekaden dargestellt
werden kann, was in absoluten Groen so nicht moglich ist. Zu beachten ist, dass
es sich bei logarithmischen Groenangaben immer um das Verhaltnis zweier absoluten
Groen handelt. Um einen einzelnen Spannungs- oder Leistungspegel in einer logarithmischen
Groe angeben zu konnen muss immer eine Bezugsgroe angegeben werden. Als
Bezugsgroe fur Spannungen wird typischerweise 1 μV oder 1V verwendet, fur Leistungen
1mW oder 1 W. Die resultierenden logarithmischen Groen werden dann mit dBu,
dBV, dBm oder dBW bezeichnet.
Fur die Umrechnung zwischen absoluten und logarithmischen Groen ist auerdem zu
beachten, ob es sich um eine Spannung (Strom) oder um eine Leistung handelt. In Gleichungen
(16) und (17) ist die Umrechnung gezeigt.
Spannung (Strom): Leistung:
UdB = 20 dB log10
Uabs,2
Uabs,1
PdB = 10 dB log10
Pabs,2
Pabs,1
(16)
Uabs,2
Uabs,1
= 10
UdB
20 dB
Pabs,2
Pabs,1
= 10
PdB
10 dB (17)
Der Grund fur die beiden unterschiedliche Faktoren 10 dB und 20 dB lasst sich einfach
zeigen. Fur die elektrische Leistung gilt:
P =
U2
R
= I2 R: (18)
Auerdem gilt das Logarithmusgesetz
log(xy) = y log(x): (19)
Einsetzten von (18) in (19) liefert den um zwei groeren Vorfaktor bei der Berechnung
mit Spannungen (Stromen) gegenuber der Berechnung mit Leistungen.
2.2.3 Bandbreite
Zur Angabe der
"
Breite\ oder
"
Ausdehnung\ eines Spektrums verwendet man den Begri
Bandbreite B. Sie ist deniert als Dierenz der oberen Grenzfrequenz f2 und der
unteren Grenzfrequenz f1 eines Signals oder Systems. Das geometrische Mittel dieser
beiden Frequenzen ist die Mittenfrequenz f0. In Abbildung 9 ist diese dargestellt.
Die Denition der Grenzfrequenzen bestimmt direkt den Frequenzbereich der Signalbandbreite.
Idealer Weise bezieht sich die Signalbandbreite auf den Frequenzbereich, in dem
das Signal eine Amplitude ungleich Null besitzt. Damit sind die Grenzfrequenzen als
diejenigen Frequenzen deniert, oberhalb bzw. unterhalb derer die Amplitude Null ist.
Abbildung 9a veranschaulicht diese ideale Denition. Hier ist zu beachten, dass in diesem
Diagramm die Amplitude logarithmisch in dBV aufgetragen ist. Der Wert Null fur die
Amplitude entspricht hier deshalb dem Wert minus unendlich in dBV.
Institut fur Mikroelektronik, Universitat Ulm 12
Da dieser Frequenzbereich einer Signalamplitude ungleich Null in der Realitat sehr gro
oder sogar unendlich ist, wird diese Denition ublicherweise weicher formuliert. Statt
dessen wird die Bandbreite als Frequenzbereich deniert innerhalb dessen die Signalamplitude
oberhalb eines gewissen Grenzwertes relativ zu seinem Maximalwert liegt.
Die am haugsten verwendete Denition der Bandbreite bezieht sich auf die −3 dB
Bandbreite. Bei f−3 dB ist die Spannung relativ zu ihrem Maximum um 3 dB abgesunken.
Dies entspricht einem Faktor von 10
3 dB
20 dB = p1
2 0:707 des Maximums. Wird
allerdings die Leistung gemessen, dann entsprechen −3 dB einem Faktor von 10
3 dB
10 dB = 0:5
des Maximums. Wie in Gleichung (18) gezeigt, hangt die Leistung quadratisch von der
Spannung ab. Dies ist auch aus beiden unterschiedlichen Faktoren der −3 dB-Bandbreite
ersichtlich: 0:5 =
p1
2
2
.
2.2.4 Au
osung der FFT
Aus der diskreten Fourier Transformation, wie sie in Kapitel 2.2.1 hergeleitet wurde,
ergibt sich wie bereits erwahnt ein Linienspektrum. In der Praxis steht man oft vor dem
Problem, dass man zwei beliebig dicht beieinanderliegende Frequenzkomponenten eines
Signals noch als zwei einzelne Komponenten erkennen mochte. Dazu muss die Au
osung
der FFT erhoht werden. Anders ausgedruckt, der kleinste darstellbare Frequenzschritt
zwischen den einzelnen Linien muss vergroert werden.
Um dies zu verstehen sind zunachst einige weitere Denitionen notig.
N: Anzahl vom Messsystem wahrend eines Zeitintervalls TMessung aufgenommener
Messpunkte
Abtastrate fA: Frequenz mit der die Messpunkte aufgezeichnet wurden. Dabei
werden in gewissen, dem Reziprokwert der Abtastfrequenz entsprechenden Zeitab-
Institut fur Mikroelektronik, Universitat Ulm 13
2.3 Telefonieren mit dem Mehrfrequenzwahlverfahren (MFV) 2 GRUNDLAGEN
standen Momentaufnahmen des Signalverlaufs in digitaler Form festgehalten. Das
heit das Messsignal wird zu bestimmten Zeiten als digitaler Wert (das heit mit
diskreter Amplitude) gespeichert. Bei einer hoheren Abtastrate erfolgen mehr solcher
Momentaufnahmen pro Zeitintervall.
Bei einer Abtastfrequenz fA betragt die hochste darstellbare Frequenz 0:5 fA (Dies soll
an dieser Stelle akzeptiert, jedoch nicht weiter erklart werden; in der Vorlesung
"
Signale
und Systeme\ im dritten Semester wird darauf naher eingegangen).
Mit einer Anzahl von N Messpunkten lassen sich im Bereich von 0 Hz bis 0:5fA genau N=2
aquidistante Spektrallinien berechnen. Der Abstand der einzelnen Linien betragt demnach
fA=N oder 1=NT. Dabei ist T = 1=fA das Abtastintervall. In dieser Darstellung entspricht
NT der Lange des Messintervalls TMessung. Somit ergibt sich ein einfacher Zusammenhang
zwischen der Beobachtungszeit und der spektralen Au
osung:
Frequenzau
osung=1/Messintervall (20)
Aus der in (20) angegebenen Beziehung wird deutlich, dass es bei konstantem N nicht
gleichzeitig moglich ist eine hohe Au
osung in Zeit und Frequenz zu erhalten.
Entweder man betrachtet einen kleinen Ausschnitt aus dem Zeitsignal, beispielsweise eine
Periode, und erhalt damit eine hohe zeitliche Au
osung, oder man betrachtet einen groes
Zeitintervall um eine hohe Frequenzau
osung zu erhalten. Im zweiten Fall kann man den
genauen zeitlichen Signalverlauf jedoch nicht mehr genau erkennen.
2.3 Telefonieren mit dem Mehrfrequenzwahlverfahren (MFV)
Das Mehrfrequenzwahlverfahren ist ein Beispiel der taglichen Verwendung der Fourier
Transformation. Bei der analogen Telefontechnik ist das Mehrfrequenzwahlverfahren
(auch Tonwahlverfahren) die heute gebrauchliche Wahltechnik. Sie ist im englischen
Sprachraum auch unter DTMF (Dual-tone multi-frequency) oder Touch Tone bekannt.
Beim Mehrfrequenzwahlverfahren, das mit den Tastentelefonen aufkam, sendet jede Taste
ein bestimmtes Tonsignal, welches durch die Uberlagerung zweier Sinussignale unterschiedlicher
Frequenzen reprasentiert wird. Auf der analogen Anschlussleitung des Telefons
stellen die gewahlten Ziernfolgen bzw. Tastenkombinationen Wahlsignale dar. Dieses
Wahlsignal wird von der Vermittlungsstelle erkannt und die entsprechende Leitung
wird zum Aufbau der Verbindung geschaltet. Das Mehrfrequenzwahlverfahren wird auch
fur die Fernabfrage von Anrufbeantwortern oder die Steuerung von Telefoncomputern in
Call-Centern oder bei Informationsdiensten benutzt.
Mit der Einfuhrung der Tastentelefone wurde auch das heute bekannte Tastenlayout
eingefuhrt. Aus der Position der Tasten ergeben sich die beiden Frequenzen. Abbildung 10
zeigt die Frequenzbelegung. Dabei reprasentiert jede Zeile einen tiefen und jede Spalte
einen hohen Ton.
Wenn beispielsweise die Taste
"
2\ gewahlt wird ergibt sich das Tonsignal aus einer Uberlagerung
zweier harmonischer Schwingungen mit den Frequenzen 697 Hz und 1336 HZ.
Dies kann ausgedruckt werden als
x(t) = cos(2fvertikal t) + cos(2fhorizontal t) (21)
= cos(2 697 Hz t) + cos(2 1336 Hz t) (22)
Institut fur Mikroelektronik, Universitat Ulm 14
Da sich die Frequenzen der Mehrfrequenzwahl Signale innerhalb des normalen Sprachsignalbandes
benden, konnen sie vom Telefonierenden mitgehort werden. Dies hat jedoch
zur Folge, dass naturliche Gerausche wie Musik von der Vermittlungsstelle ebenfalls als
Signal aufgefasst werden konnen. Daher wurden die Frequenzen bei DTMF so gewahlt,
dass sie Dissonanzen erzeugen, die mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit in der Umgebung
des Telefons auftreten.
Die DTMF-Tonsignale konnen mit Hilfe zweier Sinus-Oszillatoren fur die Spalten- und
Zeilenfrequenzen relativ einfach erzeugt werden. Die Detektion erfolgt mittels eines auf
der Fourier Transformation basierenden Algorithmus.
Digitale Telefonsysteme wie ISDN-Anschlusse oder VoIP benotigen kein Mehrfrequenzwahlverfahren
zur Ubertragung der Rufnummer. Bei diesen Systemen werden die einzelnen
Ziern der Telefonnummer als eine Bitfolge und nicht im Audioband ubertragen.
Die meisten Endgerate ubertragen jedoch parallel auch DTMF-Tone um weiterhin die
Steuerung von Sprachdialogsystemen oder Anrufbeantwortern zu ermoglichen.
Institut f
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